Anarchosyndikalismus im Ruhrgebiet – Jahresbericht 2016

 

Wir starten in das Jahr 2017 nach einem sowohl global als auch für uns lokal ereignisreichen vergangenen Jahr. Während sich weltweit im Kontext eines krisenhaften globalen Kapitalismus RechtspopulistInnen und fundamentalistische menschenfeindlichen Bewegungen, sowohl in ihrer rassistisch-isolationistischen als auch islamistischen Spielart, in Stellung bringen, sollten wir nicht den Blick auf unsere eigenen Fortschritte und Erfolge verlieren.Daher möchten wir an dieser Stelle über unsere Aktivitäten als anarchosyndikalistische Gewerkschaft im Ruhrgebiet im Jahr 2016 berichten. Leider haben wir es im letzten Jahr wegen mangelnden Kapazitäten kaum geschafft, über unsere Aktivitäten zu berichten. Dies möchten wir mit diesem Bericht nachholen.

In den Jahren 2014 und 2015 ist ein Großteil unserer Energie in den Aufbau unserer lokalen Gewerkschaftsstruktur geflossen. Erwähnt sei hier die Beteiligung an der Gründung des Stadtteilladens Syntopia, der uns seitdem als Gewerkschaftsbüro und Sozialraum dient.
Anfang 2016 konnten wir diese Phase mit der Eröffnung eines eigenen Kontos und der Einführung von Mitgliedsanträgen abschließen.

Expansion ins Ruhrgebiet

Seit der Gründung der FAU Duisburg 2004 gab es immer wieder Mitglieder und Interessierte in den umliegenden Städten. Dieser Umstand hat sich in den letzten zwei Jahren verstärkt. Auch gibt es seit der Auflösung der FAU Dortmund Ende 2012 außer uns keine weiteren FAU-Strukturen im Ruhrgebiet mehr.
Ende 2015 zeichnete sich insbesondere im östlichen Ruhrgebiet ein gesteigertes Interesse an der FAU ab. Daher organisierten wir mit Unterstützung der FAU-Regionalföderation West mehrere Treffen für Interessierte und eine größere Veranstaltung im Mai zu dem Thema “Grundthesen des Anarchosyndikalismus” mit einem Referenten der FAU Dresden in Dortmund.
Aus diesem Prozess ist die FAU-Ortssektion östliches Ruhrgebiet hervorgegangen, welche dem Allgemeinen Syndikat – FAU Duisburg/Ruhrgebiet angegliedert ist.

Neben dieser sehr positiven Entwicklung im östlichen Ruhrgebiet konnten wir im vergangenen Jahr auch weitere Mitglieder in anderen Ruhrgebietsstädten gewinnen. Wir hoffen diese Entwicklung auch im weiteren Ruhrgebiet fortsetzen zu können und verwenden mittlerweile den Namen FAU Duisburg/Ruhrgebiet für unser Syndikat um diesen Umstand wiederzuspiegeln.

Viele unserer Mitglieder wohnen, arbeiten und studieren in unterschiedlichen Städten des Ruhrgebiets. In der Zukunft werden wir uns daher auch mit der Entwicklung von Strukturen beschäftigen die diesem Umstand Rechnung tragen.

Gewerkschaftliche Arbeit

In Duisburg bieten wir seit 2015 einmal im Monat (jeweils am 2. Freitag des Monats von 17–19 Uhr) eine gewerkschaftliche Erstberatung (“Offenes Büro”) und einen Kneipenabend im Syntopia an. Unsere Ortssektion im östlichen Ruhrgebiet bietet seit Dezember 2016 zweimal im Monat eine gewerkschaftliche Erstberatung in Dortmund an (Jeden 2. und 4. Mittwoch im Monat von 18:30–19:30 Uhr im Black Pigeon).

Der Schwerpunkt unserer gewerkschaftlichen Arbeit lag 2016 in der Unterstützung der unabhängigen Betriebsgruppe im DPD-Depot 147 und in Konflikten von spanischsprachigen MigrantInnen. Daneben führten wir aber auch immer wieder kleinere Beratungen von Mitgliedern und Betroffenen durch.

DPD

Bereits seit 2015 unterstützen wir kämpferische KollegInnen im DPD-Depot in Duisburg beim Aufbau einer unabhängigen Betriebsgruppe und in deren Konflikt mit Unternehmen und Betriebsrat. Auf dem Blog der Betriebsgruppe wird weiterhin über diesen seit langer Zeit laufenden Konflikt berichtet.
Im Jahr 2016 bedeutete dies für uns vor allem der Besuch von zahlreichen Gerichtsterminen am Arbeitsgericht in Duisburg und dem Landesarbeitsgericht in Düsseldorf, sowie die Unterstützung von Flugblattaktionen vor dem Depot.

Geführte Konflikte in Zusammenarbeit mit GAS-NRW und der FAU Düsseldorf

Auch bereits seit 2015 arbeiten wir kontinuierlich mit der Grupo de Acción Sindical NRW (GAS-NRW; Gewerkschaftliche Aktionsgruppe) einer Gruppe von spanischsprachigen MigrantInnen zusammen. Über die Zusammenarbeit mit GAS-NRW und der FAU Düsseldorf haben wir mehrere Konflikte geführt und unterstützt, u.a. gegen ein Hotel und eine Reinigungsfirma. In beiden Konflikten ging es um Kündigungen und nicht gezahlten Lohn. Ein Artikel in der Direkten Aktion geht auf beide Konflikte detaillierter ein.

Die FAU auf der Straße…

Am 1. Mai beteiligten wir uns in Duisburg das erste Mal nach längerer Zeit wieder an der Demonstration zur DGB-Kundgebung im Landschaftspark. Vor dem Eingang zur Kundgebung waren wir außerdem mit einem großen Infostand vertreten und es wurde eine große Menge von Sonderausgaben unserer Zeitung “Direkte Aktion” und Flugblätter verteilt.
In Bochum beteiligten wir uns am antikapitalistischen Block innerhalb der DGB-Demo.

Am 4. November beteiligten wir uns an der anarchistischen Kiezdemo durch die Dortmunder Nordstadt. Während der Demo verteilten wir Infozettel zu unserer gewerkschaftlichen Erstberatung und machten mit Demoslogans mit Bezug auf die Arbeitswelt und Hartz 4 auf uns aufmerksam.

Veranstaltungen und Infotische

Auch wenn unser Veranstaltungsprogramm ausbaufähig ist, konnten wir 2016 eine handvoll Veranstaltungen organisieren.
Im März haben wir die sehr interessante und motivierende Dokumentation „Die Angst wegschmeißen“ über die Kämpfe von LogistikarbeiterInnen in Italien in Duisburg gezeigt.
Im Mai und November haben wir unsere “Was ist die FAU?”-Veranstaltungen in Duisburg durchgeführt, sowie die bereits erwähne Veranstaltung zum Thema “Grundthesen des Anarchosyndikalismus” als Gründungsveranstaltung unserer Ortssektion östliches Ruhrgebiet.
Im August fand dann die erste Veranstaltung der Ortssektion östliches Ruhrgebiet statt: „Damit nichts anbrennt“ – Ein kurzer Überblick über relevante Rechtsfragen im Zusammenhang mit politischer Arbeit (Audiomitschnitt).
Auch haben wir Schulungen zu Sozial- und Arbeitsrecht durchgeführt, diese werden auch in Zukunft angeboten.

Außerdem haben wir Info- und Büchertische bei verschiedenen Gelegenheiten durchführen können, u.a. bei der Eröffnung des linken Zentrums “Alibi” in Essen und der Vorführung der Anarchismus-Dokumentation “Projekt A” in Oberhausen.

Über das Ruhrgebiet hinaus

Im Vergleich zu den Vorjahren konnten wir uns im letzten Jahr stärker in regionale, bundesweite und internationale Aktivitäten der FAU einbringen und Mandate übernehmen. Im Zuge der Neukonstitution der internationalen anarchosyndikalistischen und revolutionär-syndikalistischen Bewegung haben wir uns stärker in die internationale Arbeit eingebracht und möchten dies in der Zukunft fortsetzen.

Ausblick

2016 war für uns ein ereignisreiches Jahr mit einem großen Mitgliederzuwachs und einer starken Expansion ins weitere Ruhrgebiet. Diesen Schwung zu nutzen und unsere Struktur und Aktivitäten weiter auszubauen wird eine wichtige Aufgabe für das kommende Jahr sein.

Branchenspezifisch scheint ein stärkerer Blick auf die Logistik-Branche in Duisburg eine mögliche Perspektive zu bieten. Daneben sind im Ruhrgebiet besonders Kämpfe und Organisierungsprozesse von migrantischen ArbeiterInnen und Erwerbslosen interessant, daher planen wir u.a. unsere Vernetzung mit migrantischen Gruppen auszubauen. Auch unsere Arbeit als Solidarisches Netzwerk zur Verknüpfung verschiedener Kämpfe innerhalb und außerhalb der Betriebe werden wir fortführen und intensivieren.

Interesse? Werde Mitglied in der FAU Duisburg/Ruhrgebiet oder nehme Kontakt zu uns auf.

[ssba]