Erklärung der CNT gegen den Krieg in der Ukraine und gegen den Militarismus

Angesichts der militaristischen Eskalation in Osteuropa gibt die CNT die folgende Erklärung ab:

Der zwischenstaatliche Konflikt, der in Osteuropa geschaffen und aufrechterhalten wird, entspricht nur den Interessen der Minderheiten, die die Ressourcen kontrollieren. Die militärischen Drohungen der NATO gegen Russland und die Reaktion Moskaus mit der Mobilisierung von Truppen an der Grenze zur Ukraine lassen sich nicht ohne den zugrundeliegenden Streit über den Zugang zu den natürlichen Ressourcen der Arktis, insbesondere Erdgas, und die Handelswege mit China erklären. Dieser Streit um die Kontrolle über die Ressourcen betrifft unmittelbar die gesellschaftliche Mehrheit, die sieht, wie ihr Lebensunterhalt in einem Konflikt zwischen internationalen Oligarchen, die die Beute teilen wollen, teurer wird. Wir, die Arbeiter:Innen-Klasse in den europäischen Ländern, sehen zu, wie sich unsere Lebensbedingungen verschlechtern, während wir als Geiseln benutzt werden.

Erklärung der CNT gegen den Krieg in der Ukraine und gegen den Militarismus

Die Haltung des spanischen Staates, sich aktiv an den Militärmanövern im Schwarzen Meer und in den baltischen Ländern zu beteiligen und den NATO-Gipfel im Juni 2022 auszurichten, ist eine Beleidigung und ein Angriff auf uns Arbeiter:innen, die wir seit Jahrzehnten aktiv gegen den Militarismus kämpfen. Wir kämpften gegen den Beitritt Spaniens zur NATO, gegen die Wehrpflicht, gegen die Teilnahme am Irak-Krieg. Die Beteiligung des spanischen Militärs an der Eskalation des Krieges gegen Russland ist völlig inakzeptabel, ebenso wie die Aggression gegen den Irak im Jahr 2003, deren Folgen in Form von Anschlägen uns sehr wohl bekannt sind. Wie wir alle wissen, ist es am Ende die Arbeiterklasse, die den Verlust ihrer Angehörigen zu beklagen hat.

Der spanische Staat treibt die Militarisierung des gesellschaftlichen Lebens voran, indem er Soldaten für zivile Aufgaben wie die Brandbekämpfung oder das Aufspüren von Kontaktpersonen in der Pandemie einsetzt, was in der Praxis bedeutet, dass denjenigen, die für die Gesellschaft wichtige Aufgaben erfüllen, sämtliche Arbeits- und Gewerkschaftsrechte entzogen werden. Der für militaristische und kriegerische Zwecke vorgesehene Haushalt wird auf diese Weise gerechtfertigt, aber wir sollten nicht vergessen, dass jeder Euro, der für die Fregatten ausgegeben wird, die heute der NATO im Schwarzen Meer dienen, ein Euro ist, der nicht für Infrastruktur, Gesundheit, Bildung, Renten oder andere öffentliche Dienstleistungen ausgegeben wird.

Wir von der CNT verurteilen die Beteiligung des spanischen Staates an diesen Manövern gegen Russland, wir fordern die Auflösung der NATO und die Zerschlagung ihrer Strukturen und wir fordern die Arbeiterklasse auf, sich gegen den Militarismus und für die Auflösung aller militärischen Organisationen in der Welt zu organisieren.

Der Krieg richtet sich nicht gegen Russland, er richtet sich gegen die Arbeiter:innen-Klasse.

Die Arbeiter:Innen-Klasse muss antworten: Krieg dem Krieg!

Pressekretariat des Nationalkomitees der CNT

[Quelle: https://www.cnt.es/noticias/declaracion-de-cnt-contra-la-guerra-en-ucrania-y-el-militarismo/]

ABGESAGT! 09.12.2021, Duisburg – Vortrag: Amazon in Aufruhr

Leider müssen wir die Veranstaltung aufgrund der aktuellen Pandemiesituation absagen, wir hoffen diese im nächsten Jahr zeitnah nachholen zu können.


Amazon ist in aller Munde, als Profiteur der Pandemie und Steuerbetrüger. Auch die Arbeitsbedingungen in den Lagern stehen in der Kritik. In der Öffentlichkeit kommen die ArbeiterInnen allerdings nur als Opfer vor. Dabei versuchen sie seit mindestens acht Jahren zum Teil erfolgreich, ihre Bedingungen selbst zu verbessern, indem sie sich organisieren und kämpfen. Wir wollen diese Versuche an Beispielen aus der BRD, den USA, Italien und Polen diskutierten. Gerade im Moment zeigt sich immer deutlicher, dass die ArbeiterInnen bei Amazon Teil eines Trends in der Logistik sind, wie u.a. der aktuelle Kampf der ArbeiterInnen bei Gorillas zeigt.

09.12.2021, 19 Uhr, Syntopia, Gerokstraße 2, 47053, Duisburg

Die Veranstaltung findet unter 2G-Bedingungen statt. Dies wird am Eingang kontrollieren: Führt bitte euer Impfzertifikat oder Genesungsnachweis sowie einen Lichtbildausweis mit. Weitere Infos dazu findet ihr hier.

Solidaritätskundgebung vor dem italienischen Konsulat in Dortmund

Auf den Straßen und in den Betrieben, wir werden kämpfen wir werden siegen!

Am heutigen Montag hat die FAU Initiative östliches Ruhrgebiet eine Kundgebung vor dem italienischen Konsulat in Dortmund durchgeführt. Ziel war es, unsere Solidarität mit dem Generalstreik in Italien auszudrücken, der von verschiedenen Basisgewerkschaften, unter anderem unserer Schwestergewerkschaft Unione Sindacale Italiana (USI) organisiert wurde (Mehr Informationen).

Die Kundgebung war für uns ein Erfolg und eine gute Erfahrung für unsere noch junge Initiative. Von 11.00 bis 12.30 Uhr standen wir gegenüber dem Konsulat, trugen die Forderungen der Streikenden über eine Anlage vor und sangen auch das ein oder andere Mal zusammen Bella Ciao, hier stimmten auch einige Besucher*innen des Konsulats mit ein.

Die Effektivität der Kundgebung wurde durch niedrigschwellige Repression der Polizei beschnitten. Zuerst wurde uns unter fadenscheiniger Begründung untersagt vor dem Konsulat zu stehen, sodass wir auf die andere Straßenseite hinter parkende Autos umziehen mussten. Später wurde uns untersagt, auf dem Boden zu kreiden (unter der Androhung eines Platzverweises) und Flyer zu verteilen (aus Pandemie-Gründen …). Speziell Letzteres erschwerte es natürlich, aktiv in Kontakt mit Passant*innen zu treten. Trotzdem wurden etwa 200 Infoblätter in der nahegelegenen Fußgänger*innenzone verteilt und teils interessierte Kurzgespräche geführt — natürlich unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen.

Hiermit konnten wir also einige Menschen erreichen, unseren Kolleg*innen in Italien unsere Solidarität ausdrücken und den Druck, den der Generalstreik aufbaut, auch von hier aus unterstützen.

Nun hoffen wir inständig, dass die Forderungen unserer Kolleg*innen umgesetzt werden.

Zum Abschluss wollen wir noch unsere Solidarität mit der italienischen Gewerkschaft CGIL in Rom ausdrücken, deren Zentrale von Faschisten gestürmt und verwüstet wurde. Kampf dem Faschismus in jedem Land!

11.10.2021, Dortmund: Solidaritätskundgebung mit dem Generalstreik im öffentlichen und privaten Sektor in Italien

Die Freie Arbeiter*innen Union östliches Ruhrgebiet ruft euch dazu auf am 11.10.21 ab 11.00 Uhr, an einer von uns organisierten Solidaritätskundgebung vor dem italienischen Konsulat (Goebenstraße 14, Dortmund) teilzunehmen. Unsere Schwestergewerkschaft, die Unione Sindacale Italiana (USI) organisiert mit einigen anderen Basisgewerkschaften an diesem Tag einen 24-stündigen Generalstreik im öffentlichen und privaten Sektor. Nach Schätzungen werden sich daran 30.-40.000 Menschen beteiligen.

Wir wollen in Dortmund unseren Teil dazu beitragen international Druck aufzubauen, die FAU wird auch in verschiedenen anderen Städten Aktionen organisieren, so etwa in Köln zur gleichen Uhrzeit wie wir in Dortmund.

Mehr Informationen zum Streik findet ihr unter:
www.iclcit.org/italy-18-october-2021-grassroot-unions-strike-in-italy
(Das Datum stimmt nicht, der Generalstreik wurde um eine Woche nach vorne verlegt, auf den 11.10.!) und: www.iclcit.org/general-strike-in-italy-new-date-and-follow-up-assembly

Hoch die internationale Klassensolidarität! Wir sehen uns nächsten Montag vor dem Konsulat.

FAU Ruhr Ost ist wieder unterwegs!

Einmal im Monat treffen wir uns, um eine gute Zeit miteinander zu verbringen, uns besser kennenzulernen und neuen interessierten die Möglichkeit zu geben dazu zu stoßen. Doch dieses Mal wurde nicht gewandert wie die vergangenen male, sondern auf dem Hof Bergmann mit angepackt und eine gemeinsame Zeit verbracht. Der Hof Bergmann ist ein tolles selbstorganisiertes Haus- und Gartenprojekt in Bochum, ein Besuch lohnt sich da immer!

Derweil gehen wir weiter wichtige Schritte im Aufbau unserer Initiative im östlichen Ruhrgebiet, bauen unsere Strukturen auf und legen die Grundlage dafür eine Gewerkschaft zu werden.

Wenn auch du dich daran beteiligen willst und aus Dortmund, Bochum oder Umgebung kommst, melde dich gerne unter: ruhr-ost ÄT fau.org

„Hey Rider*in, heute schon Pause gemacht?“

Solidarische Grüße aus der Initiative „FAU östliches Ruhrgebiet“ an das Gorillas Workers Collective (@gorillasworkers) in Berlin

Die Frage nach der Pause haben wir Euren Kolleg*innen in Essen am vergangenen, sehr heißen Donnerstag gestellt. Wir haben Euren wilden Streik in Berlin zum Anlass genommen, um uns von den Arbeitsbedingungen Eurer Kolleg*innen an diesem ersten Ruhrgebiets-Standort selbst einen Eindruck zu verschaffen.

Mit Kaltgetränken im Eiskübel, einem Planschbecken und Soli-Grüßen auf Papier ausgerüstet postierten wir uns zur Mittagszeit vor dem Warenlager an der Friedrich-List-Straße. Verteilt auf zwei Schichten hatten wir die Möglichkeit mit insgesamt etwa einem Dutzend Beschäftigten zu sprechen. Unter anderem konnten wir beobachten, dass die Arbeitsschutzmaßnahmen wie mit der heißen Nadel gestrickt scheinen. Eines unserer Gespräche wurde durch eine Whatsapp-Nachricht unterbrochen, in der den Beschäftigten mitten an diesem heißesten Tag der Woche kostenlose Versorgung mit Sonnenbrillen und Sonnencreme zugesagt wurde. Wenn man bedenkt, wie heiß es bereits in den vorangegangenen Tagen gewesen war, kann man durchaus schlussfolgern, dass die Bedürfnisse und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten nicht zu den höheren Prioritäten der Verantwortlichen zählen.

Umso positiver überrascht waren Eure Kolleg*innen über unser Interesse an Ihrem Wohlbefinden und ihrer alltäglichen Arbeitssituation. Die bunte Auswahl an Kaltgetränken stellte für den Geschmack aller Beschäftigten etwas bereit.

Nach diesem erfolgreichen Besuch sind wir sehr motiviert, die Aktion in ähnlicher Weise zu wiederholen. Dies erscheint uns unter Berücksichtigung der Tatsache, dass dieser Standort erst seit dem 07. Juni 2021 existiert sinnvoll, um auch in Zukunft die Auswirkungen der aktuellen Arbeitsbedingungen im Blick zu behalten und für die Beschäftigten als Ansprechpartner*innen vor Ort verfügbar zu sein.

Dank eines Tipps einer Kollegin haben wir uns am Folgetag übrigens direkt auch den brandneuen Standort von Gorillas in Bochum angesehen, auf den wir in absehbarer Zeit ebenfalls unsere Aufmerksamkeit richten werden.

Demonstration gegen das neue Versammlungsgesetz in Bochum

Wir – als Initiative für eine kämpferische Basisgewerkschaft der Freien Arbeiter*innen Union im östlichen Ruhrgebiet – haben heute zusammen an der Demonstration in Bochum gegen das neue Versammlungsgesetz in NRW teilgenommen. Zusammen mit 300 weiteren Teilnehmenden nahmen wir uns die Straße für unsere Forderungen. Gleichzeitig war es die erste Teilnahme unserer FAU Initiative im östlichen Ruhrgebiet auf einer Demonstration, auf der wir sehr wahrnehmbar auftreten konnten, da wir einer der wenigen organisierten Zusammenhänge mit vielen Fahnen, Westen und Banner waren.

Auf der Demoroute kamen wir dann auch an einer neuen Filiale von Gorillas vorbei. Kurzentschlossen war für uns klar: zusammenstehen für einen solidarischen Gruß nach Berlin, wo das Gorillas Workers Collective für die Wiedereinstellung ihres Kollegen Santiago (#WeWantSantiBack) und bessere Arbeitsbedingungen kämpft. Und das zwei Tage nachdem einige von uns bereits Gorillas in Essen einen Besuch abgestattet hatten (Bericht folgt).

Die Demonstration hätte aufgrund ihrer thematischen Wichtigkeit in unseren Augen noch viel mehr Potential gehabt. Nichtsdestotrotz hatten die vielen beteiligten Organisationen in der prallen Sonne bei 30 Grad riesigen Bedarf ihren Unmut in den vielzähligen Wortbeiträgen zu äußern. Die Zahl der Teilnehmenden lässt – vor allem mit dem Wissen über die Massenmobilisierungen vor ein paar Jahren gegen das Polizeigesetz – hoffen, dass die Anzahl bei der NRW-weiten Demo am nächsten Samstag in Düsseldorf westlich höher sein wird. Sehr gefreut hat uns die kleine Theatereinlage von »Ende Gelände« auf der Endkundgebung – eine gelungene Auflockerung des manchmal so schnöden Demoalltags.

Es bleibt dabei: Gewerkschaft braucht Versammlungsfreiheit!

Initiative für den Aufbau der FAU östliches Ruhrgebiet gestartet!

Seit einigen Wochen arbeitet ein ständig größer werdender Kreis von Leuten daran, den Aufbau der FAU im östlichen Ruhrgebiet voranzubringen.

In bester proletarischer Tradition fand sich ein Teil der Beteiligten kürzlich an einem sonnigen Sonntag in Witten an der Ruhr ein, um sich (besser) kennenzulernen. Nach dem Corona-Lockdown war es ein wahres Fest, wieder Gleichgesinnte in größerer Runde zu treffen.

Wir haben richtig Lust, auch mit dir zusammen, eine starke Basisgewerkschaft in unserer Region aufzubauen. Die aktuelle Krise führt uns umso deutlicher vor Augen, wie wichtig es ist, den Bossen nicht alleine ausgeliefert zu sein und die letzten Monate haben uns gezeigt, dass #BesserOrganisieren nötig und möglich ist.

Deswegen: komm auch du zur Freien Arbeiter*innen Union! Melde dich unter ruhr-ost@fau.org, wenn du aus Dortmund, Bochum, Witten oder umliegenden Städten kommst.

Ein „Anti-Krisen-Schutzschild“ für die Arbeiter*innen, nicht für die Unternehmen!

Mehr als 40 Betriebsgruppen der polnischen „Arbeiter*innen Initiative“ (OZZ Inicjatywa Pracownicza) haben zusammen mit anderen Gewerkschaften einen Aufruf zu einem „Anti-Krisen-Schild“ der Arbeiter*innen verfasst. Anders als die gleichnamige Maßnahme der polnischen Regierung stellt die Initiative der Schwestergewerkschaft der FAU nicht das Wohl der Unternehmen und der Besitzenden in den Vordergrund, sondern derjenigen, die die Gesellschaft am Leben erhalten, also der Arbeiter*innen.

Ein „Anti-Krisen-Schutzschild“ für die Arbeiter*innen, nicht für die Unternehmen!

Die letzten Wochen der Coronavirus-Pandemie zeigen, wer unsere Gesellschaft überleben lässt. Es sind die Beschäftigten in Logistik, Gesundheitswesen, Handel, Post und anderen Branchen, die Polen vor dem Zusammenbruch retten. Gleichzeitig isolieren sich Bosse, Besitzende, Finanziers und Politiker in ihren Häusern. Sie können es sich leisten, weil die grundlegenden Lebensgrundlagen nach wie vor von einer Armee von Arbeiter*innen produziert und bereitgestellt werden, die oft zu den niedrigsten Löhnen und unter den schlimmsten Bedingungen beschäftigt sind. Heutzutage sind sie zusätzlich Krankheiten und Todesfällen ausgesetzt. Jahrzehntelang hat die Elite die Bedeutung der Arbeiter*innen für das Funktionieren der Gesellschaft heruntergeredet. Wenn wir soziale Sicherheit und höhere Löhne fordern, hören wir, dass wir für uns selbst sorgen müssen. Heute jedoch sagen uns die Eliten, dass wir es sind, die arbeiten und für ihr Wohlergehen sorgen müssen, und dass dieses Land ohne uns bestehen wird.

Die Regierung hat die durch die Pandemie verursachte Situation des Zusammenbruchs ausgenutzt und einen Anti-Krisen-Schutzschild eingerichtet. Ihr Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen weiter zu verschlechtern und der Wirtschaft weitere Privilegien einzuräumen. Die aktuellen Vorschläge der angeblich sozialen Regierung unterscheiden sich nicht von der Sparpolitik, die wir nach der Rezession von 2008 erlebt haben. Damals bezahlten die Beschäftigten für die Erfüllung der Geschäftserwartungen nach Gewinnwachstum, indem die Arbeitszeit flexibler gestalt und das Rentenalter angehoben wurde. Scheinselbständigkeit und Outsourcing wurde ausgeweitet, die Löhne eingefroren und die Abrechnungszeiträume verlängert. Diese Änderungen sollten nur vorübergehend sein, sind aber bis heute nicht abgeschafft worden. Ohne die Politik der Lohnsenkung und der Steuersenkung für die Reichsten wäre die gegenwärtige Situation auf dem Arbeitsmarkt und im Gesundheitswesen nicht so dramatisch gewesen. Die Politiker haben keine Ahnung, wie die Situation in den Unternehmen ist, und ihr Handeln macht alles nur noch schlimmer.

Niemand wird sich um uns kümmern. Die Regierung und die Unternehmensleitungen versuchen bereits, die Gewerkschaften zu benutzen, um ihre Zustimmung zu weiteren Kürzungen zu erzwingen. Die Rolle der Gewerkschaften besteht nicht darin, die Kürzungspolitik zu unterstützen, sondern die Interessen der Arbeit*innen zu verteidigen. Wir müssen unsere eigenen Bedürfnisse definieren, nicht weiteren Sparplänen zustimmen oder den Belegschaften einreden, dass nichts getan werden kann. Ohne den Einsatz gewerkschaftlicher Stärke gegen weitere Einschränkungen werden uns Jahre von Arbeit ohne Luftholen und ohne Perspektiven erwarten. Wir können es uns nicht leisten, weitere Opfer zu bringen. Angesichts der arbeiterfeindlichen Politik der Regierung, die nur Privatunternehmen bei ihren Aktionen unterstützt, haben wir einen Arbeiter*Innen-Krisenschutzschild ins Leben gerufen. Die Umsetzung der folgenden Forderungen sind in der Lage, Arbeiter*innen vor der Krise zu schützen, zu der uns die Eliten zu verurteilen versuchen.

Hier sind die 13 Forderungen, die den von uns vorgeschlagenen Schutzschild für Anti-Krisenhelfer bilden:

  1. Verkürzung des Arbeitstages auf sieben Stunden ohne Lohnkürzung, um die Arbeitslosigkeit zu verringern.
  2. Unbefristete Verträge für alle Arbeiter*innen. Werkverträge, Scheinselbständigkeit, Zeitarbeit und befristete Arbeitsverhältnisse machen es unmöglich, sich wirklich um Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zu kümmern und zwingen die Beschäftigten, zur Arbeit zu kommen, wenn sie krank sind.
  3. Die Einführung von Löhnen nach der 3:1-Regel bedeutet, dass der höchste Lohn im Unternehmen nicht höher sein darf als das Dreifache des niedrigsten. Diese Lösung ermöglicht Einsparungen im Lohnfonds.
  4. Vereinfachung des Verfahrens für kollektive Streitigkeiten. Es sollte sichergestellt werden, dass alle Beschäftigten tatsächlich Zugang zum verfassungsmäßig geschützten Streikrecht haben. Zu diesem Zweck muss die Verhandlungsphase vereinfacht und die Verpflichtung zur Durchführung eines Streikreferendums abgeschafft werden.
  5. Den Gewerkschaften die Teilnahme an betrieblichen „Krisenstäben“ ermöglichen, in denen Verfahren für die Sicherheit der Arbeiter*innen und die Arbeitsorganisation während einer Krise, wie der aktuellen Epidemie, festgelegt werden. Gegenwärtig sind an der Arbeit der „Krisenstäbe“ häufig nur Vertreter der Arbeitgeber und nicht der Gewerkschaften beteiligt.
  6. Unbefristete Aussetzung der öffentlichen Hilfe für große Privatunternehmen, die in Sonderwirtschaftszonen tätig sind. Die Empfänger staatlicher Beihilfen aus der verarbeitenden Industrie, die im vergangenen Jahr Gewinne von über 50 Millionen PLN verzeichneten, sollten ihre Produktion umstellen, um unterfinanzierten medizinischen Versorgungssystemen (Beatmungsgeräte und persönliche Schutzausrüstung) auf Kosten der materiellen Produktion zu helfen.
  7. Einführung einer regelmäßigen Desinfektion der Betriebsmittel. Die Desinfektion von Anlagen sollte erfolgen, wenn die Mitarbeiter nicht vor Ort sind. Die Desinfektionszeit sollte an die Anzahl der Beschäftigten und die Größe der Anlage angepasst werden. Für diesen Zeitraum sollten die Arbeitnehmer voll bezahlte Ruhezeiten erhalten. Die vollständige Desinfektion der Einrichtung sollte nach jedem Fall erfolgen
  8. Erhöhung des Arbeitslosengeldes, Verlängerung der Bezugsdauer und des allgemeinen Anspruchs auf diese Leistungen für alle Arbeitslosen.
  9. Allgemeines Recht auf Krankenversicherung und kostenlose Leistungen aus dem Gesundheitssystem.
  10. Schutz der Renten und Erhöhung der Mindestrente. Ziel sollte es sein, ein Rentensystem zu schaffen, das älteren Menschen menschenwürdige Leistungen zur Deckung ihrer Lebenshaltungskosten bietet.
  11. Mieten einfrieren, Zwangsräumungen stoppen. Tausende von Menschen werden im Zuge der Krise von Zwangsräumungen bedroht sein. Massenvertreibungen werden den sozialen Zusammenbruch nur noch vertiefen.
  12. Bevorzugung der Finanzierung des öffentlichen Gesundheitswesens bei den Staatsausgaben.
  13. Schaffung eines steuerbasierten Unterstützungsprogramms für den Pflegesektor.

Statt eines „Schildes“, der die Machtelite schützt und die Arbeiter*innen trifft, fordern wir bessere Arbeitsbedingungen, Löhne und soziale Sicherheit. Die gegenwärtige Krise bietet eine Gelegenheit, die wirtschaftlichen Prioritäten zu ändern. Anstatt die Profite für die Reichsten zu steigern, fordern wir Wohlstand für alle.

Wir rufen daher alle kleinen und großen Gewerkschaften, Gewerkschaftsverbände, Branchensektionen, Gruppen und Sozialarbeiter auf, sich gemeinsam zu mobilisieren. Wir rufen zur Solidarität und Zusammenarbeit in den Betrieben auf, in denen die Arbeitnehmer durch mehrere Gewerkschaften vertreten sind.

Wir fordern die Gewerkschaften auf, jeden Versuch zu blockieren, die Lohnzahlungsfristen zu verlängern, die Löhne zu senken und Entlassungen vorzunehmen. Unsere Antwort auf diese Maßnahmen der Bosse sollte darin bestehen, Tarifverhandlungen einzuleiten, um Beschäftigung und Lohnniveau zu erhalten. Die Kosten der gegenwärtigen Krise sollten zuallererst durch den Wohlstand gedeckt werden, den die arbeitenden Menschen in den letzten 10 Jahren geschaffen haben und der größtenteils von den Arbeitgebern und Unternehmern in Form von Gewinnen und Dividenden eingesackt wurde. Der nächste Anti-Krisen-Schritt sollte der Abbau von Lohnunterschieden und die Umsetzung der oben genannten Forderungen sein, die die Erhaltung der Kaufkraft der Gesellschaft garantieren.

Wir postulieren die Einrichtung gewerkschaftsübergreifender Anti-Krisen-Kommissionen auf der Ebene von Unternehmen, Branchen und Sektoren mit lokalem und regionalem Charakter. Angesichts der gegenwärtigen Angriffe auf elementare soziale Errungenschaften sollten die Gewerkschaften damit beginnen, sich auf Protestaktionen, einschließlich eines Generalstreiks, vorzubereiten. Die Behörden, die gegen das Gesetz und die Verfassung verstoßen, vertreten uns nicht mehr. Die Wirtschaft ist nur am Gewinn interessiert, der von einer Handvoll Geschäftsinhaber eingesackt wird. In einer Krisensituation sind es die Gewerkschaften, die die Verantwortung für das Land übernehmen sollten.

Nationale Kommission der OZZ-IP (Arbeiter*innen-Initiative)

Die „Vereinigte“ Interbetriebliche Gewerkschaft der Arbeitnehmer
Der Firmenvorstand von ZZ „Przeróbka“ in LW Bogdanka
Unternehmensorganisation NSZZ Solidarność Nr. 677 im Zentrum für Zeitgenössische Kunst Schloss Ujazdowski
Gewerkschaft der Beschäftigten des Unternehmens Koleje Wielkopolskie
Polnischen Schauspielergewerkschaft am Polnischen Theater in Poznań
Gewerkschaft der akademischen Lehrkräfte der Kunstakademie in Stettin
IP bei Volkswagen Poznań
IP bei Amazon Fulfillment Poland Sp. z.o.o.
IP bei Danfoss Poland Sp. z o.o.
IP im Museum für die Geschichte der polnischen Juden POLIN
IP bei der Zachęta Nationalgalerie der Kunst
IP im Museum für Moderne Kunst in Warschau
IP bei TR Warschau
IP im Kulturzentrum der Altstadt
IP im Zacisze-Kulturhaus im Warschauer Stadtteil Targówek
IP Journalisten und Journalistenstab-Initiative
IP an der Universität Warschau
IP bei der Polnischen Akademie der Wissenschaften und der Akademie der Schönen Künste in Warschau
IP im Zentrum für Zeitgenössische Kunst Schloss Ujazdowski
IP im Jüdischen Theater in Warschau
IP NGO-Arbeiter*innen
IP Universität Danzig
IP bei den städtischen Wasserwerken und dem Abwassersystem in Bydgoszcz
IP des Bildungssektors der Woiwodschaft Kujawien-Pommern
IP m Rathaus Toruń
IP an der Jagiellonen-Universität
IP Warschauer Umweltkommission
IP am Nationalen Alten Theater in Krakau
IP RDOŚ in Lublin
IP an der Universität Warschau
IP am Klinischen Krankenhaus der Verwandlung des Herrn
IP Umweltausschuss in Krakau
IP Universität Danzig
IP an der Universität Wrocław
IP im Unterhaltungs-Theater
IP am Teatr Polski in Wrocław
IP Umweltausschuss und Kulturschaffende
IP am Zygmunt Hübner Powszechny-Theater
IP Universität Gdansk
IP bei Avon Distribution Polska Sp. z o.o.
Polnische Schauspielergewerkschaft am Polnischen Theater in Poznań
Ausschuss für Zusammenarbeit im Theater am achten Tag
IP bei den Kindergartenteams in Poznań

[ Quelle ]

 

Corona-Virus: Kein Zurück zur Normalität!

Die Corona-Krise ist auch ein Klassenproblem

Es ist schwierig, über Covid-19 aus Madrid, einer der am stärksten betroffenen Städte der Welt, zu schreiben. Allein in meiner Region ist die Zahl der Todesopfer höher als in ganz China. Offiziellen Angaben zufolge bessert sie sich langsam, aber es sterben weiterhin jeden Tag zahlreiche Menschen. Menschen, die ich aus meiner Nachbarschaft kannte, sind gestorben. Andere sind schwer erkrankt, darunter auch Gewerkschaftsgenossen. Das ist hart. Wir alle wollen, dass es vorbei ist.

Gefühle der Isolation und Frustration sind in der Abriegelung weit verbreitet. Die Kinder sind jetzt seit mehr als einem Monat drinnen. Ihr Stress und ihre Ängste zeigen sich auf unterschiedliche Weise. Vor allem die Kleinsten können nicht verstehen, was vor sich geht. Die Quarantäne wird in der Tat streng durchgesetzt, und sie werden nicht verschont. Vielen Familien, die in überfüllten Unterkünften oder mit schlechten sanitären Einrichtungen leben, geht es noch schlechter. Das ist in der Tat schwer. Wir alle wünschen uns so sehr, dass es vorbei ist.

Arbeitsplätze und Lebensgrundlagen sind verschwunden. Mehr als drei Millionen Arbeiter*innen in ganz Spanien wurden vorübergehend entlassen, und allein im März wurden 800.000 Arbeitsplätze vernichtet. Wichtige Sektoren der Wirtschaft (Tourismus, Gastgewerbe…) liegen in Trümmern, und die Aussichten sind düster. Überall auf der Welt ist das Bild sehr ähnlich. Das wird noch schwieriger werden, und es sieht nicht so aus, als ob es bald vorbei sein wird.

In der Zwischenzeit sind die anderen Probleme, mit denen unsere Gesellschaften schon vor der gegenwärtigen Krise konfrontiert waren, immer noch da. Ungleichheit, Armut und Ausbeutung grassieren überall auf der Welt, autoritäre Regime und fremdenfeindlicher Populismus sind nicht verschwunden, und die globale Erwärmung und ihre Folgen beschleunigen sich weiter.

Wenn dies vorbei ist, wenn Covid-19 endlich verschwunden ist, müssen wir uns an die Aufgabe machen, diese zerbrochene Welt zu reparieren. Die Zeiten, die wir durchleben, diese kollektive Erfahrung, ist ein Wachruf. Es ist nun offensichtlich, dass das Ignorieren oder Leugnen dieser globalen Probleme auf unsere eigene Gefahr hin geschieht. Wir können noch so sehr versuchen, sie aus unseren Köpfen herauszuhalten und so weiterzumachen, als ob nichts geschehen wäre – sie werden dennoch an unsere Türen klopfen.

Es wird keine Rückkehr zur Normalität geben. Wir sollten nicht zur Normalität zurückkehren. Wir dürfen nicht glauben, dass ein Staat oder Politiker (egal welcher Staat, egal welche Politiker) uns beschützen werden, denn es ist offensichtlich, dass sie es nicht tun werden. Kaufen wir Ihnen den ganzen liberalen Wirtschaftsblödsinn des ewigen Wachstums nicht ab, denn ddas gibt es nicht. Weg mit dem Verschachern unseres Lebens, in sinnlosen Jobs für endlose Stunden. Keine Übergabe unserer kollektiven Entscheidungsfähigkeit an Bürokraten, die an einer Wahlurne gewählt wurden…

Die Angst ist mächtig und Pandemien sind beängstigend. Es besteht eine Wahrscheinlichkeit, dass viele bereit sein werden, Rechte und Freiheiten, Hoffnungen und Bestrebungen aufzugeben, für das Versprechen von Sicherheit und Gesundheit. Aber der einzige Weg, die Angst zu heilen, ist Vertrauen. Vertrauen in uns selbst, in unsere kollektive Stärke, in gegenseitige Hilfe und Zusammenhalt, in die Solidarität… Um diese Unterstützung und Solidarität wirksam zu machen, ihre Wärme in unserem Leben zu spüren und sie für die Lösung globaler Probleme nutzbar zu machen, müssen wir mächtige Organisationen aufbauen, die uns zusammenbringen. Es kann eine Basisgewerkschaft sein, ein Mieterverband, eine Gruppe gegen Kürzungen und Sparmaßnahmen, eine radikale Umweltkampagne, ein feministisches Kollektiv oder eine andere. All das und noch viel mehr sind erforderlich, um den Wandel, den wir brauchen, in einem revolutionären Ausmaß umzusetzen. Nur die Menschen helfen den Menschen!

Kehren wir also nicht zur Normalität zurück. Seien wir kämpferisch!

Miguel Perez, Sekretär der Internationalen Konföderation der Arbeiter*innen (ICL-CIT)

 

1.- Überwachung und autoritäre Regime

In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der autoritären Regime zugenommen, die wenig oder gar keine politische Freiheit mit nackten Marktkapitalismus kombinieren. Offensichtlich ist das Paradigma in dieser Hinsicht China, aber es gibt auch viele andere, wie Russland, die Türkei, Saudi-Arabien usw. Gleichzeitig ist der konservative Populismus praktisch überall auf dem Vormarsch. Nicht nur in den entwickelten Ländern, wo die Einwanderung oft als Ausrede für eine allgemeine Verschiebung des politischen Spektrums nach rechts benutzt wird, sondern auch in Ländern wie Indien.

Inzwischen ist die staatliche und kommerzielle Überwachung von Bürger*innen und Konsument*innen überall auf der Welt zum Normalzustand geworden.

Die Covid-19-Krise verschärft nun diese Entwicklungen weiter. Es ist ganz offensichtlich, dass die Fähigkeit, die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen, von Land zu Land sehr unterschiedlich ist. Wahrscheinlich war keines so erfolgreich wie Südkorea, aber auch China scheint sich gut geschlagen zu haben, selbst wenn man ein hohes Maß an offizieller Zahlenmanipulation annimmt. Im Gegensatz dazu verzeichnen Italien, Spanien und die USA die höchsten Sterberaten weltweit.

Dafür gibt es vermutlich viele Gründe und jeder Fall ist einzigartig. Eine eingehende Diskussion würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Viele werden jedoch sicherlich auf die Überwachung und Kontrolle, die viele asiatische Staaten über die Bevölkerung ausüben, als einen der Hauptgründe verweisen. Auch auf den Umstand, dass eine autoritäre Regierung, wie die chinesische, zu Beginn des Ausbruchs schnell härtere Maßnahmen einführen und durchsetzen kann.

Ein wahrscheinliches Ergebnis der Gesundheitskrise wird eine allgemein verbreitete Akzeptanz von mehr autoritären Regimen und sicherlich auch von mehr staatlicher Überwachung sein. Es gibt bereits Stimmen, die in diese Richtung weisen. Der Einsatz von Gesichtserkennung, Tracking-Apps, Mobiltelefonaufzeichnungen usw., den die südkoreanischen Behörden bei der Suche nach infizierten Personen gemacht haben, wird diese Entwicklungen in Zukunft sicherlich vielen Menschen schmackhafter machen. Denn wenn das Leben auf dem Spiel steht, sind Diskussionen müßig und Angst ist eine sehr starke Motivation.

Diese Instrumente der Überwachung sind aber auch ein Rückgrat der modernen autoritären Regime (neben der bewährten physischen Unterdrückung von Gegnern). Wirft man all dies in einen Kessel mit überdrehten nationalistischen Politikern, fremdenfeindlichen Populisten, tollwütigen Konservativen, pseudokommunistischen Diktatoren oder theokratischen Regierungen, hat man ein Pulverfass, das jederzeit bereit ist, in die Luft zu gehen.

Es scheint, als müssten wir uns dringend von den Demonstrant*innen in Hongkong lernen, wie wir unsere Bewegungen angesichts der massiven Überwachung und der staatlichen Repression schützen können.

2.- Bezahlen, um weiterzumachen wie bisher

Es steht außer Frage, dass die Gesundheitskrise die Weltwirtschaft ruinieren wird. In gewissem Umfang hat sie dies bereits getan, aber in den kommenden Monaten wird es noch viel schlimmer werden. Die Zahlen sind bekannt, es ist nicht nötig, sie hier zu wiederholen. Die Vorhersagen sind düster. Man muss wahrlich kein Nobelpreisträger sein, um zu verstehen, dass Millionen von Arbeiter*innen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, und Unternehmen, die rund um den Globus Pleite gehen werden, schnell zu einem Debakel für Banken, Börsen und die Finanzwelt im Allgemeinen werden können.

Vor dem Hintergrund der Rezession von 2008 ist die Aussicht für die Regierungen erschreckend. So erschreckend, dass viele bereit sind, das Leben ihrer Bürger aufs Spiel zu setzen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Denken wir nur an die USA, Großbritannien usw. Wo dies nicht gelingt, haben sie alle schnell das Scheckbuch für magische Billionen in Form von Konjunkturpaketen gezückt. Das Geld, das in den vergangenen Jahren der Kürzungen und Sparmaßnahmen nicht gefunden werden konnte, ist plötzlich aufgetaucht und ist bereit, großzügig verteilt zu werden. Unsere Genossen von der USI in Italien haben bereits auf die » Auswirkungen der Kürzungen auf das Gesundheitssystem in ihrem Land und die Folgen in der gegenwärtigen Krise hingewiesen. Sicherlich könnte man dasselbe auch von jedem anderen Ort sagen.

Wir waren schon einmal an diesem Punkt. Nach dem Finanzcrash 2008 wurden mit großen öffentlichen Getöse zig Milliarden zur Rettung von Banken und anderen Unternehmen eingesetzt. Die Reden verschwanden schnell aus der Erinnerung, die Eigentümer großer Unternehmen steckten das Geld ein, vielen Dank, und überließen es dann uns Arbeit*innen, die Last ihrer Rettungsaktionen durch Kürzungen und Sparmaßnahmen zu schultern. Nichts geschah, außer einer Verschlechterung unserer Arbeits- und Lebensbedingungen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass all diese milliardenschweren Konjunkturpakete jetzt dazu verwendet werden, die Ölförderung aufrechtzuerhalten, den Flugverkehr anzukurbeln, Autos auf die Straße und Schiffe aufs Wasser zu bringen, Kohle in Kraftwerken zu verbrennen, Viehzüchter den Regenwald abholzen zulassen, Fabriken billigen Plastikmüll für Halloween und Weihnachten produzieren zu lassen, Ausbeuterbetriebe die trendigsten Modeartikel auf den Markt werfen zu lassen, Technologieunternehmen ihre neuesten Gadgets enthüllen zu lassen … alles wie bisher.

In der Tat, das ist der Plan. Schnellstmögliche Rückkehr zum Stand der Dinge davor, so tun, als sei COVID-19 nie passiert und Augen zu vor den vielen anderen globalen Probleme, die es da draußen gibt. Aber diese Pandemie hat gezeigt, dass die Devise „Aus den Augen, aus dem Sinn“, den unsere Gesellschaften so gerne praktizieren, nicht wirklich funktioniert. Eine Rückkehr zum Tagesgeschäft und die Hoffnung darauf, dass Experten und Politiker schon für unsere Sicherheit sorgen werden, ist keine tragfähige Strategie. Das war sie natürlich auch davor nie, aber niemand kann das jetzt noch leugnen. Die COVID19-Krise ist der Weckruf, um zu erkennen, dass wir tief in der Scheiße sitzen.

3.- Bezahlen für die nächste Krise

Einige haben auf die Vorteile der Krise für die Umwelt hingewiesen. Die Umweltverschmutzung scheint kurzfristig auf einem historischen Tiefstand, Tiere und Pflanzen beanspruchen die von den Menschen während der Quarantäne verlassenen Naturräume zurück. Doch selbst wenn jemand geneigt wäre, diese Entwicklungen als gute Nachrichten inmitten einer riesigen humanitären Krise zu betrachten, werden sie wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein. Tatsächlich kann das Endergebnis schlimmer sein als zuvor.

Zum einen sind diese Veränderungen nur vorübergehend. Zum anderen machen Unternehmen und Regierungen bereits Pläne, den Umweltschutz zu lockern und Nachhaltigkeitspläne zugunsten der wirtschaftlichen Erholung fallen zu lassen. Das bedeutet neue Kohlekraftwerke, um in Schwierigkeiten geratene Fabriken schnell mit billiger Energie zu versorgen, oder mehr Bohrinseln und subventionierte Brennstoffe zur Unterstützung der Fluggesellschaften und der Schifffahrt, um nur einige zu nennen. Selbst wenn man den Nachfragerückgang aufgrund der wirtschaftlichen Verlangsamung berücksichtigt, könnte die Gesundheitskrise sehr nachteilig für die Umwelt sein.

Die globale Erwärmung und der Zusammenbruch der Umwelt halten unvermindert an. Sie haben mit der Quarantäne nicht aufgehört, nur weil niemand zuschaut. Die Eiskappen schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Wälder brennen weiter. Einige Studien sehen sogar einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Pandemien und dem immmer schnelleren Vordringen in die letzten Naturräume und deren Zerstörung.

Aber der Umweltnotstand ist nicht der einzige, der den Planeten im Moment verwüstet. Wirtschaftliche Ungleichheit, Armut und Ausbeutung plagen weiterhin ganze Gemeinschaften überall auf der Welt. Die Auswirkungen der Gesundheitskrise können für sie verheerend sein. Nicht nur in Bezug auf den eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung, obwohl dies sicherlich ein Faktor ist. Beispielsweise hat sich COVID-19 in den ärmeren (vorwiegend schwarzen) Communities in den USA bereits weiter ausgebreitet und ist dort tödlicher. Aber es ist auch, wie schon in früheren Wirtschaftskrisen, wahrscheinlich, dass die Hauptlast des Wirtschaftsrückgangs von den Arbeiter*innen auf der ganzen Welt getragen wird. Von Nord- bis Südamerika, von Europa bis Asien gibt es eine Arbeiter*innen-Klasse, die die Auswirkungen des Wirtschaftsabschwungs spüren wird bzw. bereits jetzt spürt.

Wenn die Krise von 2008 als Bezugspunkt verwenden, ist es absehbar, dass Arbeitsplätze verloren gehen, dass die Löhne nach unten gedrückt gedrückt werden, dass Zwangsräumungen und Obdachlosigkeit zunehmen werden und unsere Arbeits- und Lebensbedingungen sich auf breiter Front verschlechtern werden. Ärmeren Gemeinschaften in Entwicklungsländern droht eine Hungersnot, während soziale Ausgrenzung und Ausschluß in anderen Teilen der Welt zum Normalzustand werden könnte. Gleichzeitig werden Banker und Bosse von den Regierungnen großzügige Konjunkturpakete aus Steuergeldern erhalten, und sie werden sicherlich Wege finden, diese einzusacken. Kein Wunder, dass die Ungleichheit nach jeder Wirtschaftskrise weiter in die Höhe schießt.

4.- Nur die Menschen helfen den Menschen

Unsere Genossen der argentinischen FORA haben es » laut und deutlich gesagt: Gebt unseren Chefs keine milliardenschweren Konjunkturpakete! Gebt uns Arbeiter*innen das Geld und wir kümmern uns um uns selbst und unsere Gemeinden!

Sicherlich könnten die Gemeinden angesichts der Aussicht auf einen ökologischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch dieses Geld dazu verwenden, alternative Wege der Ressourcenbewirtschaftung zu schaffen, die den Interessen der Menschen und nicht den Interessen der Aktionäre dienen, die die Umwelt respektieren und die Ungleichheit und soziale Ausgrenzung bekämpfen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann niemand behaupten, dass die Welt nicht besser finanzierte Gesundheitssysteme, angemessene Wohnungen und sanitäre Einrichtungen für alle, garantierten Zugang zu Bildung, ökologisch nachhaltige Energiequellen, menschenwürdige Lebensbedingungen als einen Anfang braucht.

Nichts von all diesen Dingen wird durch die Rettung von Unternehmen erreicht werden, die aus der Umweltverschmutzung, der Ausbeutung von Arbeiter*innen und der Auszahlung von Boni und Dividenden Profit schlagen. Auch nicht, indem man den Konsument*innen individuell Geld gibt, damit sie hinausgehen und es ausgeben können. Der von der Trump-Administration angesichts einer tödlichen Systemkrise verfolgte Ansatz des „Geh und kauf dir was Schönes!“ ist das beste Beispiel für die Denkweise des Marktes, die soziale Probleme auf individuelle Entscheidungen der Verbraucher reduziert. Als ob der Kauf neuer Kleidung oder Autos den Virus wegzaubern würde.

Nein, soziale und systemische Probleme erfordern soziale und systemische Lösungen. Und nichts davon wird geschehen, wenn die Regierungen unkontrolliert weitermachen und Billionen versenken, um eine kränkelnde Wirtschaft zu retten, sei es direkt oder durch Förderung der Verbraucherausgaben. Es müssen drastische und dauerhafte Veränderungen vorgenommen werden. So drastisch, dass sie revolutionär sind. Eine revolutionäre Transformation, die kein Staat, keine Regierung, kein Boss und kein Politiker willens oder in der Lage ist, durchzuführen.

In den kommenden Monaten und Jahren wird es an uns, den Arbeiter*innen der ganzen Welt, liegen, einen Ausweg zu finden und umzusetzen. In Anbetracht der vielen Fragen, mit denen wir uns befassen müssen, mag dies als eine gewaltige Aufgabe erscheinen. Wenn wir jedoch an einem Strang ziehen, umfassende dezentralisierte Bewegungen aufbauen, die auf Solidarität und gegenseitiger Hilfe beruhen, und starke Organisationen sowie internationale Verbindungen und Netzwerke entwickeln, gibt es nichts, was die kollektive Intelligenz von Hunderten von Millionen Menschen nicht erreichen kann. Wir sind eine mächtige Kraft. Mit den Instrumenten, die uns zur Verfügung stehen, um uns miteinander zu verbinden, zu kommunizieren und zu teilen, sind wir nicht aufzuhalten. In der gegenwärtigen Situation ist es normal, sich schrecklich und überwältigt angesichts der Zukunft zu fühlen, wenn wir nur auf Politiker und Geschäftsleute schauen, um Antworten zu erhalten. Es sind wir Arbeiter*innen, Arbeitslose, Rentner, Student*innen, Migrant*innen…, die in der Lage sind, gemeinsam einen Weg in die Zukunft aufzuzeigen. Das Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten ist der einzige Impfstoff gegen die Angst.

Solidarität und gegenseitige Hilfe brauchen jedoch die passenden Organisationen, die über individuelle Akte von Wohltätigkeit hinausgehen und zu eigenen sozialen Kräften mit einem unbegrenzten Transformationspotenzial werden. Umweltschutz lässt sich nicht auf die Wahl des Verbrauchers reduzieren, so wie es viele Unternehmen und Regierungen, die Ökologie betreiben, uns glauben machen wollen. Er erfordert, dass mächtige radikale Umweltschützergruppen aktiv werden. Die Gleichstellung der Frauen wird nicht nur durch die Verabschiedung von Gesetzen Realität werden. Es ist ein richtiggehender kultureller Wandel erforderlich, der nur aus den Händen von Frauen und Männern kommen kann, die den Sexismus in ihrem täglichen Leben bekämpfen. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und aggressiver Nationalismus werden nicht verschwinden, wenn wir sie nicht von unseren Straßen verjagen.

Schließlich werden die tödlichen Viren der Ungleichheit, der Armut und der Ausbeutung weiterhin die internationale Ordnung beherrschen, solange wir zulassen, dass diese von den Kräften der kapitalistischen Globalisierung beherrscht wird. In dieser Hinsicht sind anarchosyndikalistische und revolutionäre Gewerkschaften Instrumente, die uns zur Verfügung stehen, um zurückzuschlagen und um die Rechte der Arbeit*innen zu verteidigen. Dies wird in den kommenden Monaten des wirtschaftlichen Abschwungs von entscheidender Bedeutung sein, damit die Arbeit*innen nicht erneut die Hauptlast der Krise tragen müssen. Aber nicht nur das. Diese Gewerkschaften sind auch wesentliche Bestandteile jeder Bewegung für soziale und wirtschaftliche Transformation. Die Betriebsgruppen revolutionärer Gewerkschaften am Arbeitsplatz bilden die Grundlage, auf der die Arbeiter*innen die Produktion so umgestalten können, dass diese ihren tatsächlichen Bedürfnissen gerecht wird. Sie sind die Bausteine einer Wirtschaft, die das Leben, unser Leben, und nicht den Profit schützt.

Nur die Menschen helfen den Menschen. Nur wir selbst können uns retten. Die gemeinsamen und globalen Probleme, denen wir uns stellen müssen, sind zahlreich und komplex. Deshalb brauchen wir alle Hände an Deck. Jetzt gibt es kein Wegschauen mehr. Es geht darum, sich in Bewegung zu setzen und kämpferisch zu sein.

Internationale Konföderation der Arbeit (ICL-CIT)